Rezension zur Kurzgeschichte „Das alte Spiel – Leidenschaft Bridge“ von Gaby Barton
Das alte Spiel – Leidenschaft Bridge: Eine Rezension
Karin Ellmer: „Das alte Spiel – Leidenschaft Bridge“, © 2026, 16.236 Zeichen inkl. Leerzeichen. Erscheint in der Anthologie: “Das Alter, wie isses so? Antworten von Ü 65 Autoren und Autorinnen. Das inoffizielle Buch zum 1.10.” Ab 1.10.26 im Buchhandel Gebundenes Buch ISBN: 978-3-384-95763-4 Taschenbuch ISBN: 978-3-384-95762-)
„Wenn Karten zu Waffen werden“
Karin Ellmers Kurzgeschichte „Das alte Spiel – Leidenschaft Bridge“ nutzt das Kartenspiel als Rahmen für die Beschreibung einer langjährigen Ehe. Der Anfang führt den Leser sofort in die Welt eines Bridge Abends. Die Autorin erzählt mit großer Detailtreue, sodass man eine erste Vorstellung bekommt, dass es sich um ein komplexes Spiel handelt. Mich erinnerte das Szenario an die Atmosphäre, die ich während der Seniorentage in Mannheim 2025 erlebt habe. Der Bridgeverband war Aussteller und bot mir die Teilnahme und Erklärung in einen Spielablauf.
Bevor in der Geschichte die eigentliche Partie beginnt, wird die Vorgeschichte von Margot und Gottfried in einem längeren Rückblick entfaltet. Die Autorin zeichnet zwei gegensätzliche Prägungen: Margot, die als Kind zurückgesetzt wurde und zeitlebens nach Anerkennung strebt, sowie Gottfried, der durch strenge Eltern zur Unterordnung erzogen wurde. Vorgeschichte und Beziehungsporträt dienen dazu, das spätere Machtgefälle am Spieltisch zu verstehen.
Der eigentliche Spielverlauf ist erzählerisch sehr stark. Durch den Wechsel zwischen Beschreibung und unvermittelt eingestreuten inneren Monologen und Dialogen entsteht eine spürbare Dynamik. Margots Gedanken werden zunehmend aggressiver, Gottfrieds Überlegungen bleiben ängstlich-zögerlich; die sprachliche Verknappung in kurzen, oft elliptischen Sätzen unterstreicht die wachsende Anspannung. Auch ohne Regelkenntnis lässt sich die Eskalation gut nachvollziehen. Der Schluss, in dem beide Eheleute einander in Gedanken den Tod wünschen, bricht den am Anfang harmlos wirkenden Rahmen einer Seniorenrunde deutlich und pointiert auf.
Sprachlich verlangt der Text durch häufige Perspektivwechsel – zwischen Margot, Gottfried und dem jüngeren Paar der Gegnerinnen Janet und ihrer Partnerin – ein Maß an Aufmerksamkeit. Diese formale Unruhe lässt sich jedoch als bewusstes Stilmittel lesen, das die Anspannung am Tisch auch auf Textebene abbildet.
Insgesamt gelingt es der Geschichte gut, Bridge über die reine Spielbeschreibung hinaus als Projektionsfläche für eine asymmetrische Beziehungsdynamik zu nutzen. Auch für Leser ohne eigene Spielpraxis bleibt der Text zugänglich und lässt erkennen, weshalb dieses Kartenspiel für manche Spieler weit mehr als ein Zeitvertreib ist. Für die Autorin ist es das faszinierendste Kartenspiel der Welt. Die Kurzgeschichte macht durchaus neugierig, Bridge einmal selbst auszuprobieren. Im Nachwort erhalten interessierte Leser eine Darstellung der Grundregeln.
Diese Kurzgeschichte erscheint in der Anthologie “Das Alter, wie isses so? 22 Autor:innen über 65 Jahren versuchen mit ihrer Sicht und Erfahrung eine Antwort anzubieten. Die Bridge Geschichte passt im Buch in die Kategorie Lebenssinn. Bis in die 1960er-Jahren erlebte Bridge einen riesigen Boom; viele heutige Senioren haben das Spiel in ihrer Jugend schätzen gelernt. Und es blieb eine bevorzugte Freizeitaktivität, die regelmäßig und im Alter eher noch mehr ausgeübt wird. Es bietet Sinn.
Die Anthologie will nicht nur die Vielfalt Alter erklären, sondern auch Alt und Jung Anstöße geben, wie man mit dieser Lebensphase umgeht. Bridge zu spielen ist sicher eine gute Möglichkeit: es trainiert nachweislich das Gedächtnis und hält somit das Gehirn fit. Und als Teamsport bringt es automatisch diese starke soziale Komponente mit, die nach neuesten Gesundheitsstudien zur Gesunderhaltung beitragen kann.
Die Anthologie Ist ein inspirierendes Geschenk für sich oder für andere. Und freut sich, zu Veranstaltungen eingeladen zu werden, um mit allen Altersgruppen über die Aspekte des Alters ins Gespräch zu kommen.
Rezensentin: M. A. Gaby Barton, Autorin, Herausgeberin, Schreibreisen Wien
17.9.2026